Was ist exponentielles Wachstum?

Exponentielles Wachstum ist das Prinzip der ansteigenden Vervielfachung, des Wachstums bis zur Erschöpfung der Ressourcen und dem daraus notwendig und unausweichlich folgenden Zusammenbruch. Lange scheint kaum etwas zu geschehen, kurz nachdem wir überhaupt erstmals etwas bemerken, ist das System bereits dabei, zu explodieren.

In der Natur gibt es exponentielles Wachstum immer nur kurzfristig, weil alles lebendige existentiell eingebettet ist in eine begrenzende Umwelt, die endliche Ressourcen hat.

Die Kettenreaktion in einer Atombombe oder der Sprengstoff einer konventionellen Bombe  (oder das Wachstum von Krebszellen) folgen physikalisch einem typisch exponentiellen Verlauf: jede Energiefreisetzung löst mehrere weitere aus, solange genug Reaktionsstoff zur Verfügung steht: jede Form wird zerstört.

Natürliches Wachstum findet nach einer Wachstumsphase immer ein dynamisches Gleichgewicht ohne äußeres Wachstum, in dem aufbauende und abbauende Prozesse sich die Waage halten, während die Form erhalten wird.

Wachstumsdynamiken

 

-> Woher kommt der scheinbare wirtschaftliche Wachstumszwang?
-> Welcher Wachstumsdynamik folgt unser Geldsystem?

Was bedeutet “Wachstum”?

Wachstum im wirtschaftlichen Sinn ist zu einem schillernden, fast mystischen Begriff geworden – wir sind meist ohne weiteres Nachdenken überzeugt, dass mehr Wachstum prinzipiell gut für unsere Gesellschaft ist, einfach mehr von Allem bedeutet – mehr Besitz, mehr Wohlbefinden, mehr Spass, mehr Genuss, mehr Sicherheit, mehr Fortschritt…

Unser Wirtschaftswachstum (Wikipedia) ist zum zentralen Maßstab des Erfolgs unserer Gesellschaft geworden.
Wie ist es definiert und wie wird es berechnet?
Das Wirtschaftswachstum ist  der Vergleich der Gesamtsumme aller (in Geld messbaren) Umsätze der Wirtschaft einer Region zum Vorjahreszeitraum. Also der Betrag des Geldwertes aller Waren und Dienstleistungen, die geleistet,  produziert und bezahlt wurden.

Wird ein Haus oder eine Brücke gebaut, fliesst der Wert seiner Bauteile und der Lohn der Arbeiter und Architekten mit ein. Geschieht ein Unfall, erhöhen die Beträge, die für Krankenhausaufenthalt und Reparaturen aufgewendet werden mussten, das Wirtschaftswachstum. Wird ein sinnloses Gesetz von tausenden Staatsangestellten in die Praxis umgesetzt, erhöht auch deren Gehalt den Wert. Stehen jeden Tag Zehntausende Autos in unseren Städten im Stau, erhöht das dabei verbrauchte Benzin unser Wirtschaftswachstum!

Wird ein Kind von seiner Mutter betreut, oder ein altes Familienmitglied von seinen Angehörigen gepflegt, spiegelt sich davon nichts in der magischen Erfolgszahl. Wohl aber, wenn diese Tätigkeiten bezahlt in einer Kinderkrippe oder im Pflegeheim geschehen. Wird ein weiteres Stück unverbrauchte Natur zerstört und in einen Supermarkt verwandelt, steigt das Wirtschaftswachstum. Ebenso, wenn die Preise für Waren oder Immobilien steigen. Werden alte Autos verschrottet und neue gekauft, steigt es, zusammen mit dem Ressourcenverbrauch und den Abgaswerten in unserer Atemluft.

Wir sehen – es ist eine Erfolgszahl mit Scheuklappen, sie ist nur aussagekräftig für einen bestimmten Ausschnitt der Wirklichkeit, den, der mit Geld gekauft werden kann. Wir ahnen, dass echter Lebenserfolg etwas umfassender aussehen müsste, wenn wir etwas nach links und rechts schauen:
Geht es uns gut? Sind wir glücklich? Fühlen wir uns zugehörig und geborgen? Haben wir Zeit für die wichtigen Dinge im Leben? Leben wir in gesunder Natur?

-> Was ist der Sinn von “Wirtschaft”?
-> Wie wichtig ist Geld für das Lebensglück?
-> Was ist die Ursache des Wachstumszwangs?

Das Prinzip der Krebszelle

»Wachstum um des Wachstums willen
ist die Ideologie der Krebszelle.«
– Edward Abbey, amerkanischer Naturforscher, Philosoph und Schriftsteller –

Die tödliche Krankheit Krebs ist eine – oftmals durch Umweltgifte  oder Strahlung ausgelöste – destruktive Veränderung des genetischen Steuercodes  (DNA) einer lebenden Zelle. Die Mechanismen, die es einer gesunden Zelle möglich machen, mit dem Rest des Organismus konstruktiv zusammenzuarbeiten, auf dessen Regelimpulse angemessen zu reagieren, ihre Aufgabe zu erfüllen und nur soweit durch Teilung zu wachsen, wie es dem Erhalt des Gesamtorganismus dient, werden durch diesen “Programmierfehler der DNA” außer Funktion gesetzt.

Solche veränderten Zellen beginnen sich unkontrolliert zu teilen, reißt dafür rücksichtslos die vom Körper zur Verfügung gestellten Ressourcen (Energie und Nahrung) an sich und wuchern strukturlos in das umgebende Gewebe hinein und zerstören es dadurch. Solche Zellen schütten sogar bestimmte körpereigene Botenstoffe aus, die Blutgefäße veranlassen, in den Tumor vorzudringen, um ihn noch besser mit Blut zu versorgen.

Das Endergebnis ist letztlich die Zerstörung, der Tod des Gesamtorganismus, es sei denn, das körpereigenen Immunsystem schafft es früh genug, die wildgewordenen Zellen zu erkennen und auszuschalten. Das ist schwierig, weil die Krebszellen immer noch viele Merkmale körpereigener Zellen tragen und deshalb schwer zu erkennen sind.

Gesundes biologisches Wachstum hat eine kurze Aufbauphase die sanft in eine Erhaltungsphase ohne weiteres Wachstum übergeht. An deren Ende folgt  eine Rückführung der benutzten Ressourcen in den Kreislauf.

Krebswachstum ist exponentielles Wachstum – bis zum Zusammenbruch des Organismus.

-> Was ist exponentielles Wachstum?