Sharing/Redekreis

Das Sharing (engl. “Teilen”) ist eine grundlegende soziale Form des Austauschs in Gruppen Gleichberechtigter. Er hat unzählige Namen je nach Gruppe: Redekreis, Council u.a. Das Ziel ist immer das gegenseitige, herzzentrierte, aufmerksame Zuhören, um ein Verstehen und Empfinden des aktuellen Standes der Gruppe zu erleben. Jedes Gruppenmitglied ist hierbei gleichberechtigt, es gibt keine Hierarchie. Die Sitzform ist der Kreis. Das Wort wird von einem zum anderen weitergegeben, bis alle (oder alle, die das Wort ergreifen möchten) Gelegenheit hatten zu sprechen.

Ein Redestab oder ähnlicher Gegenstand kann helfen, für alle zu symbolisieren, wer gerade das Wort hat. Nur diese Person redet. Es geht nicht um eine Diskussion, sondern um eine möglichst ehrliche und authentische Bestandsaufnahme dessen, was das einzelne Gruppenmitglied bewegt. Der Sprecher berichtet nach Möglichkeit von sich selbst, drückt eigene Gedanken und Gefühle aus und bringt seine individuelle Sicht des gemeinsamen Themas zur Sprache. Gefühle sind willkommen, sie werden respektvoll gehört und nicht interpretiert. Anschuldigungen und Schuldzuweisungen sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Für das Sharing muss man sich Zeit nehmen, je nach Gruppengröße dauert der Prozess Minuten bis Stunden. In erfahrene Gruppenmitglieder sind sich der Kostbarkeit der gemeinsamen Aufmerksamkeit bewusst und wählen diejenige Form und Inhalte für seinen Beitrag aus, die wichtig und konstruktiv für das Ganze sind.

Um das verbindende Element zu stärken, gibt es manchmal eine einleitende (oder zwischengeschaltete Phase der Stille oder des gemeinsamen Singens, oft wird ein Kreis der Hände zu Beginn und am Ende hergestellt.

Der Redekreis ist ein wirksames Mittel, um den aktuellen Gruppenzustand für alle erlebbar zu machen. Er kann – bei genügend Zeit – einer Entscheidungsfindung vorausgehen und als reiche Inspirationsquelle durch die Vielfalt der Sichtweisen und Perspektiven dienen. Es ist neben der Meditation ein wichtiges soziales Werkzeug aus der Gruppenkultur, um das Gefühl der Verbundenheit zu stärken und auch informationsmäßig mitzubekommen, wie es den anderen Gruppenmitgliedern geht.

Mit Unterstützung erfahrener Mitglieder kann das Sharing – geplant oder spontan – auch die Funktion eines Weisheitskreises bekommen, in dem auftauchende innere oder zwischenmenschliche Konflikte eingebracht und gelöst werden können.

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